Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


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Inhalt: Binnenschifffahrt

Die Entwicklung der Binnenschifffahrt und des Kanalbaus in Deutschland

Die Anfänge der Schifffahrt auf Bächen, Flüssen und Seen hat es schon in ur- und frühgeschichtlicher Zeit gegeben. Schon die Rentierjäger am Ende der letzten Eiszeit etwa vor 12.000 Jahren bauten Zweier-Kajaks aus Rentiergeweihen, Fellen und Hölzern. In ihnen jagten sie die Rentiere, die auf ihren Wanderungen die eiszeitlichen Urstromflüsse durchschwammen. Etwa gleichzeitig haben auch eiszeitliche Jäger von Gönnersdorf am Rhein in Einbäumen den Fluss befahren.

Die Schiffbautradition der Kelten geht auf den Einbaum zurück, wobei die trapezförmige Grundrissform mit breitem Heck durch die Kegelform des Baumstammes bedingt ist. Der leichte Bug dieser Schiffe ermöglicht ein sanftes Auflaufen am Ufer. Zu diesem Typ gehört z. B. das Schiff des Mainzer Schiffers Blussus, das auf seinem Grabstein um 50 n.Chr. abgebildet ist. Seit Beginn des 1. Jahrhunderts. n. Chr. wird der Rhein durch Römer immer mehr zur Handelsstraße. Darauf weisen nicht nur das Blussus-Bild oder das "Neumagener Weinschiff" hin, sondern auch die acht "Mainzer Schiffe", die in den 80er Jahren in Mainz ausgegraben, wissenschaftlich ausgewertet und konserviert wurden. Es handelt sich dabei um schnelle, leichte Ruderboote, die zur Überwachung der Rheingrenze gedient haben, ein Reiseschiff für Staatsbeamte und ein Frachtschiff für 30 t Ladung.

Erster Kanalbau in Deutschland 793

Die Hauptverkehrswege im Frankenreich Karls des Großen (768-814) sind die Flüsse und Bäche. Vergrößerte "Einbäume" mit einer Tragfähigkeit von 1 Tonne dienen als Transportmittel.

Karl der Große versucht, die Stromgebiete des Rheins und der Donau miteinander zu verbinden. Eine günstige Stelle für den Bau eines Kanals befindet sich zwischen der Altmühl (zur Donau) und der schwäbischen Rezat (zum Rhein über Regnitz und Main). Im Herbst des Jahres 793 bewegen 6.000 Mann 130.000 m³ Boden. Es entsteht ein Graben von 1.400 m Länge. Doch der Versuch des Kanalbaues mißlingt, da die zu steilen Böschungen durch Regenfälle wieder einrutschen.

Der Handel blüht

Im Mittelalter wachsen viele Orte zu Städten heran, diese liegen aus Verkehrsgründen häufig an Flüssen. Kleine Kähne werden getreidelt oder gesegelt. Der Rhein ist schon zu jener Zeit wie heute ein verkehrsreicher Strom.

Für die Salzflotte von Lüneburg wird 1398 der erste funktionsfähige Kanal - der Stecknitz-Kanal - südlich von Lübeck gebaut und über Jahrhunderte betrieben. Die Salzschiffe sind etwa 12 m lang, 2,50 m breit und tragen etwa 150 Sack Salz, das entspricht 7,5 Tonnen. Der Stecknitz-Kanal ist im Elbe-Lübeck-Kanal aufgegangen.

Schiffsantriebe bis 1820 Treidelschifffahrt

Auf den Flüssen werden die Schiffe flussaufwärts getreidelt: Menschen später Pferde ziehen die Schiffe an langen Leinen, die vom Treidelmast des Schiffes bis zum Ufer reichen. Sieben bis acht Menschen entsprechen dabei einem Pferd.

Das Leben der Treidelpferde und der "Leinenreiter" ist hart und gefährlich. Die Pferde müssen schräg laufen, vom Wasser abgewandt, durch die einseitige Belastung gehen sie entsprechend schief. Der Pferdeknecht reitet im Damensitz, um bei Gefahr schnell abspringen zu können. Er führt ein Beil mit sich, das er bei Unfällen in Untiefen und Strudeln zum Durchhauen der Seile benötigt, um die Pferde zu retten.

Segelschifffahrt und Fahrt mit "Kaltem Druck"

Mit dem Aufschwung der Städte im Mittelalter gewinnen die Flüsse als Handelsstraßen immer größere Bedeutung. Die Schifffahrt entwickelt sich zu einem wichtigen Wirtschaftszweig, von dem Schiffsbauer, Schiffer, Treidler und Händler leben.
Schiffe, die mit Ruder, Segeln und Treidelmast ausgestattet sind, befahren die Flüsse. Form, Bauweise und Antriebsart hängen von regionalen Besonderheiten wie Wassertiefe, Flussbettbeschaffenheit und Flusstal ab.

Der Grundtyp des Frachtschiffes auf dem Niederrhein ist die "Kölsche Aak", die auf dem breiten, in der Ebene strömenden Niederrhein gesegelt werden kann und entsprechend aufwendige Segelvorrichtungen aufweist. Auf der oberen und mittleren Rheinstrecke verkehren die "Oberländer" sie sind wegen der engen und felsigen Strecke des Mittelrheins mit flachem Boden und beweglichem Senkruder ausgestattet. Rheinabwärts wird der "Oberländer" gerudert oder die Schiffe fahren mit "Kaltem Druck", d. h. sie gleiten ohne eigene Antriebe mit der Strömung zu Tal. Erst in späterer Zeit können zusätzlich Segel gesetzt werden.

Früher Ausbau der Wasserstraßen 1775

Nach dem Dreißigjährigen Krieg fördern die Landesherren den Verkehr auf dem Wasser. So werden besonders in Norddeutschland Flüsse und Bäche mit geringer Wasserführung mit festen Wehren und Schleusen ausgebaut, dass Schiffe getreidelt werden können. Ausgebaut werden u. a. die Ruhr, die Berkel nordwestlich von Münster, die untere Diemel bei Karlshafen (Weser), die Fulda oberhalb von Kassel sowie die Werra.

In dieser Zeit entstehen auch die ersten Kanäle um Berlin. Sie verbinden über Havel und Spree die Elbe mit der Oder.

Nach langer, gründlicher Planung lässt König Ludwig I von Bayern, 1836 bis 1845 von Bamberg am Main über Nürnberg durch das Tal der Altmühl bis nach Kelheim an der Donau einen Kanal bauen. Dieser Kanal mit 100 Schleusen und zwei Kanalüberführungen verbindet erstmals die Stromgebiete von Rhein und Donau. Da jedoch weder der Main noch die Donau das ganze Jahr über schiffbar sind, hat der Kanal keine große Zukunft, sich gegenüber dem neuen Verkehrsmittel Eisenbahn zu behaupten. Der Kanal wird bis ca. 1910 von Schiffen befahren. Diese werden mit Pferden getreidelt. Für Dampfschlepper und Kähne sind die Schleusen zu kurz und der Querschnitt des Kanals zu klein.

Schiffsantriebe nach 1820

Die Dampfmaschine triumphiert

Mit der Erfindung der Dampfmaschine setzt in Europa eine beispiellose industrielle Entwicklung ein. Die Dampfkraft treibt Maschinen - z. B. Pumpen - an und setzt Eisenbahnen in Bewegung. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie auch zum Antrieb von Schiffen eingesetzt wurde.

Robert Fulton gelingt 1807 die wirtschaftliche Nutzung der Dampfkraft mit dem Betrieb seines Schiffes "Clermont" auf dem Hudson-River in den USA . 1816 "qualmt" der Dampfer "The Defiance" den Rhein stromaufwärts nach Köln.

Die "Prinzessin Charlotte von Preußen" ist das erste in Deutschland gebaute, auf der Havel eingesetzte Dampfschiff (1818).

Die Treidel- und Segelschiffer sehen in dem Dampfschiff zunächst keine Kokurrenz, weil die Maschinen recht schwach (12 kw/16 PS) sind und gegen die Strömung der Flüsse große Mühe haben.

Auf dem Rhein ist erst die 37 kw (50 PS) starke Maschine der "De Zeeuw" 1824 in der Lage, das 33 m lange Schiff über Koblenz hinaus bis nach Kaub anzutreiben. Ein Hochwasser verhindert ein weiteres Vorankommen und schmälert den vollen Triumph der Dampfkraft. Dennoch kommt es zur Gründung von Dampfschifffahrts-Gesellschaften, die schon ab 1827 einen Liniendienst zwischen den Rheinstädten anbieten. Die Entwicklung auf der Elbe und Oder ist, ca. 10 Jahre zeitverzögert, ähnlich wie auf dem Rhein.

Die leistungsfähigen Dampfschiffe bewirken den Niedergang der Treidel- und Segelschifffahrt und deren Ende etwa ab 1850 (Rhein).

Schleppschifffahrt mit Dampfschiffen

Die Schleppschifffahrt beginnt 1829 mit dem Einsatz des Dampfers "Herkules" auf dem Rhein durch die Niederländische Dampfschifffahrtsgesellschaft. Dieser Dampfer kann zusätzlich zur eigenen Ladung 4 bis 6 Segelschiffe rheinaufwärts bis Köln ziehen. Auch über Köln hinaus bis Mainz ist ein Schleppen von Kähnen mit Hilfe verbesserter Antriebsmaschinen möglich. Voraussetzung jedoch ist der Bau von größeren eisernen Schleppkähnen, da ein Dampfschiff in jener Zeit nicht im Stande ist, 8 hölzerne Segelschiffe mit je 125 t Kohle beladen rheinaufwärts zu ziehen, durchaus aber zwei mit je 500 t Kohle beladene eiserne Kähne. Die dampfgetriebene Schleppschifffahrt beginnt, auch auf den anderen deutschen Flüssen Fuß zu fassen, immer mehr Dampfschifffahrts-Gesellschaften werden gegründet.

Die Zeit der Dampfschlepper neigt sich jedoch schon vor dem Zweiten Weltkrieg dem Ende zu, auch wenn Dampfantrieb und Schleppverbände bis in die 60er Jahre im Einsatz bleiben. Den motorgetriebenen Schiffen gehört die Zukunft, zunächst im Schleppverband, später als einzelfahrendes Motorgüterschiff.

Motorschifffahrt

Die Motorschifffahrt beginnt um die Jahrhundertwende. Zunächst werden Gasmotore in die Schiffe eingebaut. Ab 1910 sind die ersten Dieselmotoren in Betrieb. Der Übergang von der Dampfmaschine zum Dieselmotor vollzieht sich allmählich. Nach 1938 sind lediglich 17% aller Schiffe mit einem Dieselmotor ausgerüstet.

Die große Zeit der Motorschiffe beginnt nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein großer Teil der Schiffe ist zerstört. Die neugebauten Schiffe werden mit Dieselmotoren ausgerüstet.

Der Dieselmotor ist leichter und nimmt weniger Platz ein als die Dampfmaschine mit ihren großen Kesseln und Kohlevorräten.

Da die Dieselmotoren auch in der Anschaffung viel preisgünstiger sind und weniger Personal im Betrieb benötigen, können nun viele Schiffer ihren Schleppkahn motorisieren.

Etwa um 1960 ist die Schleppschifffahrt beendet. Das Regelschiff ist jetzt der Selbstfahrer mit Dieselmotor, die Schifffahrt mit Schubbooten beginnt. Der "Schubverband" entsteht durch die starre Koppelung eines "Schubbootes" mit "Leichtern".

Die Einführung der Schubschifffahrt hat große wirtschaftliche Vorteile. Im Unterschied zum Schleppverband, bei dem jedes geschleppte Schiff bemannt sein muß, können bei einem starren Verband die Personalkosten erheblich gesenkt werden. Zudem verkürzt sich die Liegezeit in den Häfen erheblich, weil die Leichter einfach ausgetauscht werden können. Die Dieselmotoren der Schubschiffe laufen heute bis zu 8.000 Stunden im Jahr, d. h. im Durchschnitt 22 Stunden pro Tag.

Der Verkehrswasserbau hat Konjunktur

Die rasante Industriealisierung nach 1850 und das starke Anwachsen der Bevölkerung in Deutschland (1852: 36 Mio., 1895: 52 Mio.) erfordert neben dem Bau des Eisenbahnnetzes auch den Ausbau von Flüssen und Kanälen. Zwischen 1863 und 1917 werden in Deutschland siebenundzwanzig große Projekte des Verkehrswasserbaues durchgeführt.

Darunter z.B.:

1880 - 1887    Ems-Jade-Kanal
1884 Stauregelung des Neckar
1884 - 1886 Stauregelung des Mains von Frankfurt abwärts
1886 - 1895 Kaiser-Wilhelm-Kanal
1877 - 1899 Dortmund-Ems-Kanal
1896 - 1900 Elbe-Trave-Kanal (Elbe-Lübeck-Kanal)
1906 - 1916 Ems-Weser-Kanal (Mittellandkanal)
1906 - 1915 Ausbau der Oder-Weichsel-Wasserstraße

Rhein und Oder sind verbunden (1938)

Der bereits 1906 begonnene Bau des Mittellandkanals wird für das 1000-Tonnen-Schiff bis zur Elbe 1938 fertiggestellt. Außerdem wird der Elbe-Havel-Kanal für dieses Schiff bis nach Berlin ausgebaut. Im Schiffshebewerk Niederfinow überwinden die Schiffe seit 1934 den Höhenunterschied von 35 m zwischen der Oder und dem Oder-Havel-Kanal. Die Stromgebiete von Rhein, Ems, Weser, Elbe und Oder sind nun durch ein leistungsfähiges Kanalnetz miteinander verbunden.